Lok 7:


Ehemalige Lok Hugo 28

Hersteller: Ruhrthaler Maschinenfabrik
Typ: G 42z
Fabrik-Nr.: 2781
Baujahr: 1949
Leistung: 42 PS
Dienstgewicht: 8,0 t
Zustand: in Aufarbeitung

Für uns ist dieser Maschinentyp ein wichtiges Exponat, waren doch ähnliche Maschinen auf den Nachbargruben Fortuna-Morgenstern und Ida in Betrieb. Es handelt sich dabei um die Bauform mit abgestuften Tanks, wobei es diese Maschine auch mit gerader Blechverkleidung und zuletzt mit seitlich abgestufter Motorhaube für bessere Sicht gab. Außerdem ist es die zweite Lok unserer Sammlung aus dem Kalibergbau des südlichen Niedersachsens. Nach Beseitigung einiger Stillstandsschäden kommt im Bereich der Gemeinde Liebenburg nach 48 Jahren diese Loktype wieder regelmäßig zum Einsatz.

Ruhrthaler Diesellokomotiven waren auf den Gruben der Barbara Rohstoffbetriebe weit verbreitet, waren sie doch mit Abstand die kostengünstigste Variante einer leistungsfähigen gleisgebundenen Fördertechnik. Hier sehen wir eine G42z in den 1950er Jahren bei der Ausfahrt mit einem Erzzug aus dem Ida-Stollen in Othfresen (vermutl Fabrik-Nr. 2898).

Die benachbarte Grube Fortuna unterhielt von 1960 bis 63 auf der 3. Sohle eine Förderverbindung zur Verbundgrube Morgenstern. Neben verschiedenen anderen Ruhrthaler-Typen verkehrte hier ebenfalls eine Ruhrthaler G42z in der Aufbauvariante mit geraden Blechen (Fabrik-Nr. 3089). Damit fuhr diese Lok sogar regelmäßig 120 m unter dem Schroederstollen durch.

In Dienst gestellt wurde unsere Ruhrthaler Nr. 2781 am 14.04.1949 auf dem Steinkohlenbergwerk Hugo in Gelsenkirchen Buer, wo sie bis August 1973 im aktiven Dienst stand. Für den Betrieb im Steinkohlenbergbau erhielt sie die üblichen Einbauten zum Schlagwetterschutz wie Schwungkraftanlasser, Plattenschutz und Wassereinspritzung (Abgaskühlung). 1974 wurde die Lok an das Kalibergwerk Siegfried-Giesen bei Hildesheim verkauft. Einsatz auf der 750-m-Sohle folgte, bald aber Abstellung, da die Lok für den Betrieb im Kalibergbau zu leicht war. Zum 12.04.1989 übernahm der Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar e.V. die Lok, um damit am entstehenden Bergbaumuseum einen Besucherverkehr unter Tage einzuführen. Das Bild zeigt die Lok bei der Ankunft auf dem Gelände der Schlosserei Hille in Goslar in der Originallackierung: Aufbauten umbragrau, Radkasten, Puffer und Leuchten tiefschwarz.

Dem Einsatz voraus ging eine Aufarbeitung, mit der ein Schlossereibetrieb in Leinde bei Wolfenbüttel beauftragt worden war. Hierbei wurde insbesondere der defekte Motor gegen einen baugleichen getauscht, was auch den Umbau diverser Motoranbauten betraf. Weitere Umbauten:

  • Umbau von Schwungkraft auf elektrischen Anlasser und Vorglühanlage
  • Umbau elektrische Anlage mit größerer Lichtmaschine und dafür Einbau einer Blechhutze auf dem Motorraumblech rechts oben
  • Neuverkabelung mit NYY-Kabeln in PE-Rohren mit Heizungsrohrschellen
  • Einbau einer offenen Elektroverteilung mit Schaltern, Sicherungen und Öldruckanzeige im Fahrstand
  • Einbau eines Ständers für zwei schwere Autobatterien über dem Getriebe
  • Ausbau der Kohlesäurelöschanlage
  • Anfertigung neuer Motorraumabdeckungen in Gitterform
  • Richten einer krummen Kuppelstange
  • Mehrmaliges Dampfstrahlen und Lackierung in hellgrün und schwarz. Vorbild war die Fahrdrahtlok Rammelsberg 1.

Finanziert wurde die Instandsetzungskosten in Höhe von 32.000 DM vom Förderverein und weiteren Sponsoren (Bild: B. Pollak).

Nicht instand gesetzt wurden die Zentralschmieranlage, das Getriebe sowie die mit Steinsalz verschmutzte Kupplung. Das hatte zur Folge, dass nach der feierlichen Inbetriebnahme am 12. Dezember 1989 die Maschine im Sommer 1990 mit ausgelaufenen Achslagerschalen und gerissenem Bremsgestänge ausfiel, letzteres eine Folge des schadensbedingten Lagerspiels, vermutlich wurde auch das Stichmaß der Kuppelstangenlager nach dem Richten nicht korrigiert. Dem Verein fehlte nun das Geld für eine Reparatur. Das Bergbaumuseum war an einem Einsatz der Lok wegen der aufwendigen Auflagen für Brandschutz und Bewetterung unter Tage nicht interessiert. Es folgte die Aufstellung als nicht betriebsfähiges Exponat vor der Kaue des Museums. Durch Witterungseinflüsse rosteten hier Kupplung und Schaltkulisse für den 3. Gang fest. Eine neue Museumsleitung sprach sich Ende der 90er Jahre schließlich gegen die Ausstellung der Lok aus, da es keine originale Rammelsberger Maschine ist. So fristete sie ihr Dasein schließlich versteckt im Holzlager auf dem Museumgelände.

Ab 2004 setzte eine neu gebildetet Arbeitsgruppe Fahrzeugrestaurierung des Rammelsberger Fördervereins unter neuer Museumsleitung die Maschine instand, darunter auch spätere Mitarbeiter der ArGe Schroederstollens. Es wurden neue Achslagerschalen angefertigt, die Lagersitze der Achsen abgedreht, Elektrik und Motor repariert, das Bremsgestänge geschweißt. Ab Sommer 2005 war der Fahrbetrieb wieder möglich.

Nun aber geriet die Maschine in die Querelen zwischen den wechselnden Museumsleitungen und dem Rammelsberger Förderverein. Ab 2007 erging seitens der Museumsleitung ein Fahrverbot, weil die Maschine zu schwer für die Rammelsberger Gleise sei und schließlich wurde schriftlich die Entfernung vom Museumsgelände verfügt. (Zitat Brief vom 28.07.2010: ...in der Dienstbesprechung der wissenschaftlichen Mitarbeiter des Weltkulturerbes Rammelsberg (...) ist am 27. Juli 2010 einstimmig beschlossen worden, die Diesellokomotive Ruhrthaler G42z aus dem Depotbestand (...) des Weltkulturerbe Rammelsberg an den Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar/Harz e.V. zu übergeben. Die Übergabe der Diesellokomotive soll bis zum 15. November 2010 abgeschlossen sein.". Die Ausarbeitung eines Konzepts zur Pflege und Übernahme in den Museumsbestand wurde von der Museumsleitung ausdrücklich abgelehnt. Kurz vorher hatte der Verein sein einziges Gebäude am Rammelsberg räumen müssen, so daß ihm auch keine Unterstellmöglichkeit zur Verfügung stand. Die Mitglieder des Rammelsberger Fördervereins sprachen die Lok daraufhin im Rahmen einer außerordentlichen Versammlung dem Förderverein Schroederstollen e.V. zu, um künftig sachgerechte Pflege und Einsatz zu gewährleisten.

Seit 13. April 2011 ist die Lok am Schroederstollen eingestellt (Bild: W. Fricke). Da die Aufarbeitung seinerzeit nicht vollständig abgeschlossen wurde, sind künftig noch massive Getriebeundichtigkeiten, ein defekter 3. Gang sowie eine ständig festrostende Konuskupplung zu reparieren. Außerdem soll die Lok nach und nach wieder in ihren früheren Betriebszustand zurückversetzt werden, was insbesondere Lackierung und Aufbauten betrifft. Derzeit (2017) bereiten wir den Einbau des aufgearbeiteten Getriebes und der Kupplung vor. Parallel dazu laufen Entrostung und Neulackierung im ursprünglichen Farbschema.

Ein Videofilm von der ersten Widerinbetriebnahme am 17.04.2011 kann hier auf Youtube abgerufen werden.