Lok 12:


Ehemalige Lok Bergmannssegen-Hugo D7

Hersteller: Ruhrthaler Maschinenfabrik
Typ: 28 GDL/S2
Fabrik-Nr.: 1751
Baujahr: 1938
Leistung: 28 PS
Dienstgewicht: 6,5 t
Zustand: Nicht betriebsfähig

Indienststellung 30.09.1938 bei Fa. Vereinigte Untertage & Schachtbau Essen, Einsatz durch diese Firma ab 01.10.1938 auf Kaliwerk Hildesia/Diekholzen (Wintershall AG), 13.01.1948 abgegeben an Schwesterwerk Bergmannssegen-Hugo in Lehrte, Umspurung auf 570 mm, 1992 abgegeben an Arbeitsgemeinschaft Ottiliaeschachtbahn Clausthal-Zellerfeld, Umspurung von 570 mm auf 600 mm, nach Auflösung der Arbeitsgemeinschaft Abgabe an privat, 1995 Leihgabe an Kalimuseum Empelde, 2005 Aufstellung am Bergbaumuseum Klosterstollen Barsinghausen, 2013 Abgabe an ArGe Schroederstollen durch Eigentümer.

Die GDL/S2 in der 28-PS-Ausführung ist die älteste Lokomotive in unserer Sammlung. Erfreulicherweise behielt sie ihren originalen Motor, einen zweizylindrigen Zweitakt-Diesel Typ H32 der Fa. Hatz, damals der Standard für kleinere Leistungen bei Ruhrthaler. In Zeiten, in denen man von elektrisch angelassenen Lokmotoren nur träumen konnte, wurde dieser Motor mit einer von vorne eingesteckten Kurbel angeworfen. Zusätzlich bestand die Möglichkeit einer Druckluftanlassung über eine eingebaute Druckflasche und den vorderen der beiden Zylinder. Ist die Lok an sich schon eine Rarität, dann der Motor erst recht.

Unser Zusatznutzen ist, dass hiermit die dritte Maschine aus dem Kalibergbau unserer Region unsere Sammlung bereichert. Außerdem stammt sie vom gleichen Betrieb wie Lok 6 und die beiden Steigerwagen.

Die Kriegsvorbereitungen im Deutschen Reich waren im August 1937 soweit gediehen, dass man über einen Umbau der Kalischachtanlage Hildesia zum Munitionslager für Heereszwecke nachdachte. Dazu mußten im Steinsalz Kammern in den Abmessungen 20x18x2,5 m und 15,5x10x2,5 m entlang der Richtstrecken und Querschläge aufgefahren werden. Als zweiter Ausgang kam der Schacht Mathildenhall in Frage, der nach der Betriebsaufgabe 1927 bis 313 m unter die Rasenhängebank voll Wasser und Salzlauge stand. Für die Sümpfung veranschlagte man 450 m³ pro Tag mit einem Wasserziehgefäß über die Förderanlage zu heben. Weiter mußte die Verbindungsstrecke nach Mathildenhall fertig gestellt werden.

Die Geschichte dieser Lok beginnt am 30.09.1938 mit der Lieferung an die Fa. Vereinigte Untertage & Schachtbau Essen (Veruschacht), welche mit der Herstellung der Hohlräume beauftragt worden war. Ab 01.10.1938 fuhr Lok 11 im Auffahrungsbetrieb der Verbindungsstrecke von Hildesia nach Mathildenhall.

Die Arbeiten wurden vom Heeresbauamt Hildesheim, Bauleitung III organsiert und waren als derart dringend angesehen, dass man zeitweise neue Loks ohne elektrische Beleuchtung (mit Batteriehandlampen) und ohne Betriebsgenehmigung durch das Bergamt Goslar einsetzte. Außerdem hatte man aufgrund Arbeitermangels Probleme, die Wetterführung den gestiegenen Anforderungen anzupassen. Geliefert wurden die Loks noch dazu ohne Schlagwetterschutz. Nun mag man anmerken, dass ein Kaliwerk kein Grubengas hat, aber da gibt es Ausnahmen. So hatte ausgerechnet Hildesia schon bei der Auffahrung der ersten Strecken um die Jahrhundertwende eine Erdöl- und Gaseinbruch aus einer Kohlenwasserstofflagerstätte an der Flanke des Salzstocks. Bei der Auffahrung der Verbindung nach Mathildenhall ging man von einem durch Horizontalbohrungen gut erforschten Gebirge aus und schloß Gas- und Laugevorkommen aus. Das war ein Fehler, denn am 07.03.1939 ereignete sich in der Mathildenhallstrecke ein Gasausbruch und unmittelbar folgend eine Explosion. Das Bergamt ordnete einen Betriebsstillstand an, da das Westfeld der Grube und die Loks nun auf Schlagwetterschutz umgerüstet werden mußten. Am 20.10.1939 vermeldet man den Abschluß des Umbaus für die Loks 1750 und 1751, die jetzt für die weitere Auffahrung der Mathildenhallstrecke eingesetzt werden konnten. Eine letzte Meldung vom 05.04.1941 belegt mit Prüfbescheinigung den Einsatz der Ruhrthaler 1740, 1741, 1750, 1751 und der Deutz 22622. Bald kam der Krieg nach Deutschland.

Am 7. April 1945 marschierten die Amerikaner in Diekholzen ein und übernahmen die Munitionsanstalt Hildesia. Das Kaliwerk wurde schließlich zum 13. Januar 1948 an den eigentlichen Besitzer, die Wintershall AG, zurückgegeben. Ein Abbaubetrieb fand dort zunächst nicht statt. Man gab dringend benötigtes Material an andere Werke des Konzerns ab, so auch an das Schwesterwerk Bergmannssegen-Hugo in Lehrte. Im Gegensatz zu Hildesia war dieses Werk größer und hatte in den vorhergehenden Jahren die Produktion durchgängig aufrecht erhalten.

Zum 15.09.1947, die Auffahrung einer Verbindungsstrecke von Bergmannssegen nach Hugo war in vollem Gange, berichtet man dem Bergamt, daß man gezwungenermaßen weiter verstärkt Benzol- und Dieselloks einsetzen muß, weil sich die Beschaffung elektrischer Lokomotiven schwierig und langwierig gestaltet.
Das Lokverzeichnis vom 30.08.1949 vermerkt für das Werk folgende im Einsatz befindliche Lokomotiven:
580 m Sohle: Deutz MLH 332, Fabrik-Nr. 22942, 22943, 33001, 33002
                  Ruhrthaler 22 GDL/S2 Nr. 1373 und 28 GDL/S2 Nr. 1751
                  Deutz P.F.C. XIV 10/12 Nr. 3935
400 m Sohle: Deutz P.F.C. XIV 10/12 Nr. 1558 und 1554
Die Spurweite betrug 570 mm auf Schienenprofil 100/20 (also S20). Für den Diesellokbetrieb war eine Mindestwettermenge von 6 m³/minPS vorgeschrieben, bei Benzollokbetrieb 9 m³/min PS. Der Abstand zwischen zwei fahrenden Zügen sollte mindestens 30 m betragen. Fahren auf Sicht mit Karbidbeleuchtung und funzeligen Lokscheinwerfern. Verbrennungsmaschinen sollten möglichst im Zubringerbetrieb der elektrischen Loks arbeiten oder bei Ausfall der Fahrdrahtloks diese ersetzen. Ausnahmen nur in dringenden Fällen. Der Fahrdraht mußte dann stromlos geschaltet werden. Loks ohne Begleitersitz hatten Beifahrerwagen wie im Bild links abgebildet mitzuführen. Zwei dieser Wagen befinden sich ebenfalls unserer Sammlung. Ebenfalls zum Einsatz kam auf dieser Sohle ab 1952 unsere Lok 14 - Akkulok Esslinger GR Nr. 4212.

Anfang der 1990er Jahre fand ein Kollege vom Bergamt in einem alten Lokschuppen auf der 580-m-Sohle mehrere abgestellte Fahrzeuge vor, darunter unsere Ruhrthaler 28 GDL/S2 Nr. 1751. Sie wurde an die Arbeitsgemeinschaft Ottiliaeschachtbahn nach Clausthal vermittelt, umgespurt und mit neuen Achslagern versehen. Der aufgebockten Maschine bin ich im Gaipel am Schacht damals zum ersten Mal begegnet.

Die schon erwähnten Streitigkeiten innerhalb der Ottilaeschachtmannschaft hatten zur Folge, daß die 1751 von einem Mitarbeiter übernommen und letztlich als Exponat an das Kalibergbaumuseum Empelde verliehen wurde. Von dort ging es für die alte Ruhrthaler zum Besucherbergwerk Klosterstollen nach Barsinghausen, wo sie nicht nur farblich völlig verändert wurde, sondern auch das Dach einer Wismut-B660-Akkulok aufgeschweißt bekam. Nun erfolgten die Aufstellung und die Umgestaltung ohne das Einverständnis des Besitzers. Der war darüber nicht erfreut und verkaufte die Lok im Jahr 2013 an uns.

Nach dem Abholen begannen wir mit der Schadensaufnahme und Konservierung. Das festgerostete Wendegetriebe konnten wir gängig und die Lok damit rollfähig machen. Der Wermutstropfen dabei ist, dass die Maschine zuletzt frei zugänglich vor einem Besucherbergwerk aufgestellt war und damit eine ganze Palette typische Schäden aufweist. Also haben Kinder Schotter in alle möglichen und unmöglichen Öffnungen eingefüllt (Tanks, Motor, Fahrstand), Ölstandsanzeiger sind zerschlagen, die ursprüngliche Farbe wurde mit einer vermeintlich passenden Sonderlackierung überdeckt, dabei wurde alles erreichbare ehedem Bewegliche zugekleistert (Schmiernippel, Motordekompression, Kupplungsgehäuse), alles nicht erreichbare rostet munter weiter (Kühlerfront des Bienenkorbkühlers, Kupplungsmechanik). Warum man auf eine historisch derart wertvolle Maschine ein Führerhaus aufschweißen mußte, bleibt ein Geheimnis. Die dabei angesetzen Haltebleche lassen sich aber mit Trennschleifer und Schruppscheibe wieder entfernen. Als Trost bleibt, dass die Maschine weitgehend vollständig ist und der Motor 1992 am Ottiliaeschacht noch lief. In einigen Jahren dann hoffentlich wieder bei uns.