Juli 2020: "Das Bessere ist der Feind des Guten."

Als wir im Jahr 2009 gegen Ende Juni unsere erste Weiche auf dem Bahnhof Groß Döhren eingesetzt hatten, posierten wir alle stolz vor dem soeben ausgerichteten Objekt. Damals hatten wir voller Freude vier kurze Weichen in S18-Profil von dem aufgelösten Feldbahnmuseum Ostercappeln übernehmen können. Schotter gab es damals als Spende aus Münchehof. Den Einbau erledigten wir mit Stopfhacke, Stockwinde und Greifzug.

 Inzwischen sind 11 Jahre ins Land gegangen - und alles hat sich verändert. Unsere Grubenbahnsammlung ist inzwischen auf 21 Fahrzeuge gewachsen, einige Maschinen bringen das ausgefahrene S18-Gleis schon aufgrund ihres Gewichtes an die Belastungsgrenze. Wagen mit langem Achsstand neigen auf den engen Weichenradien zu Entgleisungen. Und nun ergab es sich, dass wir von einem stillgelegten Steinkohlenbergwerk eine Anzahl Gleise, Weichen und Wagen zum Schrottpreis übernehmen konnten. Das Profil ist S30, ein im Bergbau verbreitetes schweres Profil, auf dem problemlos schwerste Fahrzeuge eingesetzt werden können. Es standen also einige Gleise zum Austausch an, außerdem war ein Umbau der Diagonalverbindung an der südlichen Bahnhofseinfahrt ohnehin schon länger auf der Agenda. Es reifte der Entschluß, nunmehr die gesamte Bahnhofseinfahrt mit neuen Weichen auszurüsten und dabei die alte Weichenstraße von 1968 möglichst originalgetreu zu rekonstruieren. Insgesamt werden in den nächsten Monaten 16 Weichen und rund 600 m Gleis umgebaut oder neu verlegt. Ein Großprojekt, wobei wir zur schnelleren Abwicklung in diesem und nächsten Jahr auf Veranstaltungen am Stollen verzichten werden.

Für die südliche Weichenstraße im Bahnhof verlegten wir bereits 4 Federzungenweichen mit jeweils einer Baulänge von 9 m und einem durchgängigem Abzweigradius von 40 m. Die Gleise 3 und 5 erstellen wir durchgängig in schwerem Profil neu. Die Gleise 1, 2 und 4 sowie der Lokschuppenbereich bleiben in S18 und werden an die neue Weichenstraße angepaßt. Die Haldentrasse war bisher nur mit Baugleis belegt, steht ebenfalls zum Umbau auf S18 an und wird eine Spitzkehre  mit Anschluß zum oberen Haldenplateau bekommen.

 

Umgebaut wird im Moment die Zufahrt zum Lokschuppen mit der Einbindung von Gleis 5 an die Haldenbahn und die Zufahrt zur Wendeschleife am Schneebergweg. Schweren Herzens mußten wir dazu eines der alten Mastfundamente einkürzen; die neue Gleislage ließ keinen Platz für eine Umfahrung. Die Abbrucharbeiten wurden mit der Akku-Hilti und Quellsprengstoff problemlos erledigt. Damit hatten wir ja bereits beim Abbruch der Staumauer unter Tage reichlich Erfahrungen sammeln können.

 

Zum Ausbaggern der Trasse setzen wir unseren 1,75 t-Bobcat-Minibagger ein. Ein Auskoffern mit Hacke und Schaufel hätte uns ein Vielfaches an Zeit gekostet, und wir sind ja inzwischen auch 11 Jahre älter geworden.

 

Gleisjoche und Weichen bewegen wir am Stück mit dem guten alten Hanomag. Auch das ist gegenüber Greifzug und Stockwinde technisch gesehen ein Quantensprung. Ist zwar kein Untertagelader, aber zuverlässig und eben kein Billigimport aus China.

Die Bögen biegen wir mit dem ebenso guten alten Rollenbieger mit Druckluftantrieb. Ein fantastisches Gerät, spart Zeit, biegt einwandfreie Kurven und ist inzwischen eine technisch-historische Rarität.

Und so präsentiert sich am letzten Sonntag unsere neue Lokschuppenzufahrt. Muß noch geschottert und gerichtet werden; es zeigt sich aber deutlich, dass wir dank der neuen Technik buchstäblich Meter machen können. Sollten wir keinen allzu strengen Winter erleben, dürften die wesentlichen Gleisbauarbeiten über Tage bis zum nächsten Frühjahr abgeschlossen sein.