Lok 1:


Ehemalige Lok Gneisenau 25

Hersteller: Klöckner - Humboldt - Deutz AG
Typ: A2M 517 / GZ 30B
Fabrik-Nr.: 47088
Baujahr: 1950, Umbau bei Fa. Rensmann 1982
Leistung: 30 PS
Dienstgewicht: 6,3 t
Geschwindigkeit: 13,7 km/h
Zustand: rollfähig

Indienststellung 22.03.1950 auf Zeche Gneisenau in Dortmund-Derne, zuletzt eingesetzt für Wasserhaltungsbetrieb Gneisenau 4/Kurl 3 als Anschlußbergwerk zur Zeche Haus Aden. Einstellung der Produktion im Feld Kurl 1998, folgend Aufgabe der Wasserhaltungsstrecke Gneisenau-Kurl und Übernahme der Wasserhaltung durch Haus Aden. Im Mai 2000 Abgabe an Museum für feldspurige Industriebahnen Ostercappeln-Hitzhausen, 2007 von dort an Arge Schroederstollen, Umspurung von 550 auf 600 mm.

Bei der GZ 30B handelt es sich um eine mittelschwere Diesellokomotive für den Zubringerdienst im Steinkohlenbergbau. Angetrieben wird sie durch einen wassergekühlten 2-Zylinder-Dieselmotor mit hydraulischer Turbokupplung und mechanischem Getriebe mit 4 Gängen. Aufgrund der Sicherheitsvorschriften für den Einsatz unter Tage verfügt sie über eine handbetätigte CO2-Löschanlage, einen herausnehmbaren Pulverlöscher und einen Abgaswäscher. Dem Schlagwetterschutz geschuldet ist der wassergekühlte Auspuffkrümmer und der mit Druckluft betriebene Anlasser. Die GZ 30B wurde in zahlreichen Exemplaren gebaut und bewährte sich auch im Erz- und Kalibergbau sehr gut. Noch heute steht sie bei verschiedenen Museumsbahnen und Besucherbergwerken im Einsatz.

Auf der Zeche Gneisenau ereignete sich am 18.12.1947 eine Schlagwetterexplosion, bei der 2 Lokfahrer und 3 Hauer ums Leben kamen. Ausgelöst wurde das Unglück durch Funkenbildung an einer Fahrdrahtlokomotive. Die Bergbehörde forderte daher die Umstellung des Förderbetriebs im Verbindungsquerschlag 2. Sohle Gneisenau zur 3. Sohle Scharnhorst auf Dieselbetrieb. Im Laufe des Jahres 1950 beschaffte man dafür vier 30-PS-Diesellokomotiven von Deutz, zwei im März (47087 und 47088) und zwei im Oktober.
Die Bauform dieser Maschine entsprach bei der Auslieferung der im Bild gezeigten Version mit geraden Motorraumblechen. Zur Verbesserung der Sicht bei Vorwärtsfahrt erhielten viele Maschinen später eine verschmälerte Ausführung mit abgeschrägter Front. Die Bezeichnung dieser Loktype orientierte sich damals noch an dem eingebauten Motor: A2M517.

Zeichnung des Loktyps aus der Akte Bauartzulassung des Oberbergamts Clausthal vom 02.09.1957, Quelle Bergarchiv Clausthal. Das Bild zeigt die zur Sichtverbesserung überarbeite Variante

25.04.2007: Lok 1 aufgebockt im damaligen Feldbahnmuseum Ostercappeln-Hitzhausen. Die Achsen sind bereits für die Umspurung ausgebaut.

 

20.07.2007: Intermezzo am Bergbaumuseum Rammelsberg in Goslar. Da die Gleisanlagen am Schroederstollen noch im Aufbau waren, beschlossen wir, die Lok vorübergehend dem Förderverein Rammelsberger Bergbaumuseum Goslar/Harz e.V. zur Verfügung zu stellen. Nach der Aufarbeitung in der Vereinswerkstatt sollte sie einige Jahre als Zweitlok zusammen mit der Diesellok des Fördervereins für Besucherfahrten über Tage eingesetzt werden. Dazu kam es letztlich nicht, denn nach dem Wechsel der Rammelsberger Museumsleitung begann der technische Leiter des Museums mit dem Aufbau eines neuen Fördervereins unter seiner Ägide. Man betrachtete den alten Verein und insbesondere die Aktivitäten am Schroederstollen als Konkurrenz.

Für den alten Förderverein wurde die Nutzung der Vereinswerkstatt ab 2008 stark eingeschränkt. Die bereits begonnene Aufarbeitung von Kupplung, Getriebe und Bremsanlage mußte gestundet werden. Ebenfalls wurde uns untersagt, die Gleisanlagen am Rammelsberg wegen des zu hohen Gewichts der beiden Loks (7 t und 8 t) zu befahren. Nun, seit 2024 fährt eine 10 t schwere Dampflok Henschel Fabian jährlich zum Welterbetag auf den unverändert gleichen Gleisen und dem technischen Leiter wurde zum 31.12.2025 fristlos gekündigt. Aber das ist eine andere Geschichte.

21.04.2010: Die Vereinswerkstatt am Rammelsberg wird auf Anordnung der Museumsleitung aufgelöst. Inzwischen liegen die ersten befahrbaren Gleise auf dem Bahnhof Groß Döhren. Wir holen unsere Lok nach Hause. Neben festgerosteter Bremswelle und Kupplung ist auch der Motor ohne Kompression und der Regler der Einspritzpumpe fest. Werkstatt und Lokschuppen existieren zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die Aufarbeitung ist aufwendig und wurde daher zugunsten des Aufbaus Bahnhof Groß Döhren und wichtiger Arbeiten an weiteren Fahrzeugen vorerst gestundet.

Unsere Lok steht noch auf der Warteliste für die Aufarbeitung, aber zumindest im Maßstab1:87 rollt sie schon. Die niederländische Firma Artitec hat mit ein wenig Unterstützung von unserer Seite ein Standmodell dieser Lok herausgebracht. Die Auslieferung ist 2019 erfolgt. Passend dazu gibt es unsere 8-Sitzer-Personenwagen von Zeche "Westfalen" und Förderwagen unter anderem nach Rammelsberger Vorbild. (Foto und Modellbau: Holger Dudei). Die Spurweite paßt zur Busch-Feldbahn bzw. zu den Z-Gleisen von Märklin.