Lok 15 und 31

![]() |
Fahrdrahtlokomotiven stellten im Bergbau eine effiziente Methode dar, um große Massen über weite Entfernungen zu transportieren. Zwar waren die Investitionen zum Aufbau der Anlage recht aufwändig, dafür blieben die Kosten im laufenden Betrieb unschlagbar günstig. Das Manko dieser Technik war, dass diese Lokomotiven nicht schlagwettergeschützt gebaut werden konnten. So war ihr Haupteinsatzgebiet Hauptförderstrecken von den Kohleabbaurevieren zu den Förderschächten. Oder Bergwerke ohne Schlagwettergefahr, vor allem im Kali- und Steinsalzbergbau. Die EL5 zog auf Friedrich-Heinrich lange Züge aus 4000 l-Seitenentladern. Wegen des hohen Zuggewichtes war im Zug hinter der Lok ein GHH-Bremswagen mit 6 Magnetschienenbremsen eingestellt. Zur Stromversorgung des Wagens dienten vermutlich die an den Stirnseiten der Lok. Falsch eingeschätzt wird in der Regel das Risiko durch den niedrig hängenden Fahrdraht. Es gab hier klare Vorgaben: Minimal 2,20 m Höhe bei 220 V Gleichspannung, minimal 2,50 m bei 500 V Gleichspannung. Der Laie hat dazu in der Regel die Warnhinweise einer fahrleitungbetriebenen Normalspurbahn im Hinterkopf - 15.000 V bei 16 2/3 Hz Wechselspannung, was schon wegen der Überschlagsgefahr eine ganz andere Gefahrenklasse darstellt. Trotzdem bot auch die Fahrleitung unter Tage ganz spezifische Gefahren. Diese bestanden vorrangig darin, beim Herumklettern auf Fahrzeugen oder Hantieren von Material (z.B. Bohrstange) mit der Leitung in Kontakt zu kommen. Deswegen war z.B. bei Lokomotiven unter Fahrleitung ein Schutzdach vorgeschrieben, bei Personenfahrung in Fahrleitungsstrecken war die Leitung abzuschalten, spezielle Warnleuchten mußten über den Zustand der Leitung informieren. Bei Beachtung dieser Vorschriften konnte die Unfallgefahr auf ein vertretbares Maß reduziert werden. Was nicht heißt, dass keine Unfälle vorkamen. |
|
Ehemalige Lok Friedrich-Heinrich 20
Hersteller: AEG |
Indienststellung auf Zeche Friedrich-Heinrich (Kamp-Lintfort), Einsatz zuletzt auf der 600 m-Sohle bis 1992, Mitte der 90er Jahre an Feldbahnsammlung Ilmenau (21.09.1996 vh.), 1997 an Feld- und Kleinbahnfreunde e.V. Nidderau, 2015 an Arge Schroederstollen. |
|
Ehemalige Lok Friedrich-Heinrich 22
Hersteller: AEG |
Indienststellung auf Zeche Friedrich-Heinrich (Kamp-Lintfort), Einsatz zuletzt auf der 600 m-Sohle bis 1992, Mitte der 90er Jahre an MVT Berlin, 2019 an Frankfurter Feldbahnmuseum, 2026 an Arge Schroederstollen. |
| Ein Prospekt der Firma AEG aus dem Jahr 1924 zeigt diese Lokomotive in der ursprünglichen Version. Die Beschreibungen unterscheiden sich in einzelnen Details von unserer Lok. So hat der Beifahrersitz ein Dach erhalten; Wände und Dach des Fahrstandes wurden verbreitert und erhielten Lichtblenden über den Fenstern. Zusätzlich angebrachte Kästen auf dem Dach enthielten das Lokfunkmodul, den Spannungswandler für das Bordnetz und das Blaulicht zur Signalisierung der Personenzüge. Dazu ein Feuerlöscher in der Ablage am Beifahrersitz und Tachometer beim Fahrer..Die beiden Motoren liefern gemäß Aufschrift je 25 kW bei 220 V. | |
|
|
Im Einsatz befanden sich unsere beiden Maschinen auf der 600-m-Sohle des Kohlenbergwerks Friedrich-Heinrich am Niederhein (Späteres Bergwerk West, stilllgelegt 2012.) Diese Sohle war ab 1952 eine der Hauptfördersohlen des Bergwerks. Schwach erkennbar ist auf dem Foto an den Stirnseiten noch die rot aufgemalte Loknummer 2. Fabriknummern konnten bei unseren Loks im Gegensatz zu den Ordnungsnummern bisher nicht verifiziert werden. In Betracht kommen zwei Lieferungen von 1922 und zwei von 1925. Logischerweise sollte die spätere Lieferung auch die höhere Ordnungsnummer haben, also bei Friedrich-Heinrich 20 die 3037 und bei Friedrich-Heinrich 22 die 3038. Eine andere Lieferung steht beim Feld- und Grubenbahnmuseum Fortuna und läßt sich klar an den größeren Aussparungen der Blattfederkästen unterscheiden. Außerdem ist die Kontrollöffnung im Rahmen nächst dem Beifahrerstand rechteckig und nicht rund (und zugeschweisst). Über diese Merkmale verfügt auch die Friedrich-Heinrich 2 auf dem Foto; wäre das dann die Ausgabe von 1922? Für Infos und vielleicht sogar weitere Fotos des Fahrdrahtbetriebes wären wir natürlich dankbar. |
|
|
Anfang der 90er Jahre wurde die 600-Sohle als Hauptfördersohle abgeworfen. Auch auf Friedrich-Heinrich gab es Steiger mit Sinn für historische Maschinen. Einzelne Fahrzeuge gingen an Feldbahnsammlungen und Museen. FH 20 gelangte über die Sammlung in Ilmenau an den Feld- und Kleinbahnverein e.V. in Nidderau und wurde auf einem Lagerplatz in Rodgau-Niederroden abgestellt. Als wir am 14.11.2010 auf einem benachbarten Lagerplatz einen Rungenwagen für unsere Sammlung abholten, fiel uns die dort seit mehreren Jahren ungeschützt im Regen stehende Maschine sofort auf; blieb für uns aber letztlich unerreichbar. Als dieser Verein im Mai 2015 sein Gelände unvermittelt räumen mußte und uns ein guter Freund einen Tipp gab, konnten wir die Lok übernehmen. Es war die erste und lange gesuchte Fahrdrahtlokomotive in unserer Sammlung. Für die Kaufverhandlung und den Transport blieben dabei genau 5 Tage Zeit. Parallel dazu liefen die Vorbereitungen zum 2. Stollenfest. |
|
|
Bei schönstem Sommerwetter begannen wir unmittelbar nach dem Abladen mit der Grobreinigung und Zustandserfassung. Erfreulicherweise ist die Maschine vollständig und unbeschädigt. Massive Blattrostbildung zeigt sich an den dem Wetter ausgesetzten Teilen. Dagegen sind die Fahrmotoren in gutem Zustand, Korrosionserscheinungen am Nockenschalter und anderen elektrischen Bauteilen halten sich in Grenzen bzw. sind zu reparieren. Die insgesamt robuste und einfache Bauweise hat größere Schäden verhindert. Nach Entfernung von 10 cm Kohlenstaub und Müll aus den Ständen, Reinigung der Bremsanlage, einer ordentlichen Schmierstoffgabe und einigen "zarten" Stößen unserer Schöma lösten sich die festgerosteten Bremsbacken und die Maschine rollte in ihr neues Zuhause. |
|
Die Sonne stand schon tief, als uns FH22 erreichte. Auch diese Maschine ist in vollständigem Erhaltungszustand, hat allerdings massive Zahnschäden an einem der Motorritzel. Ansonsten sind FH20 und FH22 baugleich. Somit steigen die Chancen, künftig vielleicht eine der beiden Maschinen betriebsfähig zu restaurieren. Über Lackiervarianten kann man sich natürlich streiten. FH20 ist im Originalzustand und, abgesehen vom Rost, vollständig gelb. |
|
Interessant ist die an FH22 noch original vorhandene Lastentafel. Neben den Einsatzzwecken, für die diese Lok auf Friedrich-Heinrich herangezogen wurde, belegt sie auch die Verwendung von Bremswagen mit 2 bzw. 6 Magnetbremsen. |